Lexware vs. ERPNext

Lexware und ERPNext ist ein ungewöhnliches Vergleichspärchen. Die Frameworks spezialisieren sich auf andere Unternehmensbereiche, bei denen sie auch ihre Stärken ausspielen. Lexware ist eine Buchhaltungssoftware mit ERP-Features, ganz ähnlich wie Beispielsweise DATEV. ERPNext ist ein ERP-System, das auch Buchhaltung kann.

Kann man beide Systeme parallel nutzen?

Dennoch wollen trotzdem beide den gleichen Markt bedienen. Und Unternehmer möchten sich naturgemäß für ein System entscheiden. Aber ist das überhaupt die richtige Idee? Mit welchem Geschäftsmodell arbeiten die beiden Frameworks? Und kann man sie nicht sogar ergänzend nutzen? 

Sicher ist: Lexware und ERPNext sind unterschiedliche Softwarelösungen für ähnliche Probleme. Welches Framework für wen geeignet ist, welche Vorteile Lexware für kleine Unternehmen hat, und warum sich trotzdem ein Umstieg auf ERPNext lohnen könnte, erfahren Sie hier.

Das Geschäftsmodell

ERPNext setzt auf ein Open-Source-Geschäftsmodell; der Code ist offen, die Software und die Lizenzen sind kostenlos. Darum lässt sich sich das System gut skalieren. Müssen Sie zum Beispiel wegen einer Firmenexpansion neue Arbeitsplätze ausstatten, dann geht das mit ERPNext sehr unkompliziert und ohne relevante Mehrkosten.

Bei ERPNext müssen Sie für die Basisfunktionalität nicht  zahlen. Das Unternehmen finanziert sich mit Hostingangeboten. Eine spezielles Enterprise-Paket beinhaltet außerdem einen 24/7-Service der Entwickler. Es ist aber fraglich, ob diese Extras die Preise, die zwischen 300 bis über 1000 Euro pro Monat eher im oberen Bereich rangieren, wert sind.

Lexware nutzt ein traditionelles Lizenzmodell. Die Buchhaltungssoftware wird in verschiedenen Paketen angeboten: es gibt eine Online-Version, eine Software-Version, eine Pro-Version und eine Premium-Version – für je 15 bis 55 Euro monatlich, pro Arbeitsplatz.

Lexwares Geschäftsmodell bringt alle Vor- und Nachteile dieser allgegenwärtigen Lizenzsysteme mit: einerseits ist der Einstieg einfach und relativ preisgünstig, andererseits skalieren die Kosten mit der Größe des Unternehmens. Für kleine Unternehmen kein Problem, aber bei einer größeren Buchhaltung summiert sich das schnell.

ERPNext

+ Alle Module sind kostenfrei

+ Reines Open-Source-Modell

– Hosting kostet Geld

– Support nur für Premiumkunden

Lexware

+ Relativ niedriger Einstiegspreis

+ Verschiedene Preisstufen

– Onlineversion fragwürdig

– Teuer zu skalieren

Die Features – Modulumfang und -qualität

Die hohe Modularität ist die größte Stärke von ERPNext. Schon das kostenlose Basispaket bringt alle Funktionen mit – und die können sich absolut sehen lassen. Egal ob Sie Kundendaten verwalten möchten, eine Inventur ansteht,  oder Ihre Finanzen analysiert werden sollen: ERPNext hat sinnvolle und anpassbare Module.. 

Lexware ist nicht modular aufgebaut; mit den verschiedenen Preisstufen erwirbt man sich verschiedene Feature-Pakete. Lexware kann dabei zwar auch ein paar Sachen wie Lagerverwaltung, ist aber primär eine Buchführungssoftware. Das heißt, dass sich die meisten Features um Rechnungen, Steuern, Buchführung usw. drehen.

Geht es um die Qualität der angebotenen Module, dann ergänzen sich Lexware und ERPNext fast perfekt. ERPNext in den Bereichen hochwertige Module, die Lexware nicht anbieten kann oder will – und umgekehrt. 

ERPNext und Lexware ergänzen sich fast perfekt.

Als indisches Unternehmen ist ERPNext nämlich bei der komplexen deutschen Buchhaltung überfordert. Während Lexware – wie übrigens auch DATEV – darauf ausgelegt ist, mit der deutschen Gesetzeslage umgehen zu können. Dafür bietet es nicht die Funktionalität von ERPNext bei anderen Sachen wie CRM, Datenmanagement, oder Projektplanung.

 

ERPNext

+ Gute Auswahl für KMUs

+ Neue Module problemlos hinzufügbar

– Langsam bei Bugfixes

– Nicht an Deutschland angepasst

Lexware

+ Auf Deutschland angepasst

+ Solide Buchhaltungssoftware

– Wenige Features

– Als ERP unausgegoren

Die Features – Custom Modules & APIs

Aus genau diesem Grund empfehlen wir bei K&K-Software, ERPNext mit einer dezidierten, auf den deutschen Markt ausgerichteten Buchhaltungssoftware zu kombinieren – was aufgrund der offenen, kostenlosen Natur des Systems problemlos möglich ist. Man kauft sich eine Lizenz von Lexware oder DATEV, und verknüpft sich dann mit ERPNext.

Dank der hohen Anpassbarkeit von ERPNext ist das problemlos möglich. Wir haben sogar ein Tutorial zur Verfügung gestellt, in dem wir erklären, wie man Daten von Lexware auf ERPNext überträgt. In Zukunft planen wir, eine Schnittstelle für den direkten Datenaustausch zu entwickeln. Damit werden beide Programme eng aneinander gebunden.

Die Programme können eng verknüpft werden.

Abgesehen davon erlaubt es nur der modulare Aufbau von ERPNext, eigene Module zu erstellen und mit anderen Anwendern zu teilen. Zwar sind dafür erweiterte IT-Kenntnisse nötig, aber Lexware bietet nichts Vergleichbares an; man bekommt, was auf der Box steht. Eigene Modifizierungen sind nicht möglich.

ERPNext

+ Eigene API für externe Anwendungen

+ Individualisierbar

– Kein einfacher Bastelbaukasten

– Keine Plattform für Usercontent

Lexware

+ Daten exportierbar

– Keine Extramodule

– Geschlossenes Ökosystem

– Features hinter Paywall

Die User-Experience

Sind wir ehrlich: keines der Programme ist eine Schönheit. Sowohl bei Lexware, als auch bei ERPNext, dominieren Farbtöne zwischen Grau und Grau. Auch wenn die nackte Optik nicht der wichtigste Faktor bei einer Kaufentscheidung ist – wenn man jeden Tag über Stunden mit einem Programm zu tun hat, dann könnte es optisch wenigstens etwas moderner auftreten.

Geht es um die reine Usability, schenken sich beide Systeme relativ wenig. Sowohl ERPNext als auch Lexware bieten eine intuitive grafische Oberfläche. Bei Lexware ist es einfacher, schnell zu jedem Feature zu kommen. Das hat auch damit zu tun, dass es weniger Features hat. Dafür ist es textlastiger – womit es noch mehr wie ein Relikt aus den 1990ern wirkt.

Etwas Einarbeitungszeit muss man aber bei beiden Programmen einplanen. Wegen einer geringeren Verbreitung gibt es dafür weniger Tutorials für ERPNext. Das ändert sich aber gerade – nicht zuletzt auch dank unserer eigenen hochwertigen ERPNext-Tutorials. Fakt ist: keines der Programme ist allzu schwer zu lernen.

ERPNext

+ Aktive UI-Entwicklung

+ Eingreifen in die UI möglich

+ Intuitive Menüführung

– Eher graues Aussehen

Lexware

+ Intuitive Bedienung

+ Unkomplizierte Menüführung

– Sehr textlastig

– Grau in Grau

Umzugslaune?

Schon seit der Firmengründung arbeiten wir bei K&K Software mit Lexware Financial Office. Das wird vor allem in Buchhaltung wohl auch noch lange der Fall sein. Da aber viele Unternehmensprozesse nicht in Lexware abbildbar sind, haben wir uns entschlossen, parallel ein ERP-System einzuführen.

In einem etablierten Unternehmen kann man nicht plötzlich alle Prozesse auf ein neues ERP-System umstellen. Stattdessen implementiert man idealweise die fehlenden Prozesse behelfsmäßig in das bestehende System und zieht dann nach und nach in das neue Framework um.

So haben wir das auch selbst gemacht, und diesen Weg empfehlen wir unseren Kunden.

4. Fazit

Lexware und ERPNext ergänzen sich: ERPNext bietet alle Features, die für ein modernes ERP-System unerlässlich sind. Allerdings kämpft es mit der deutschen Rechtslandschaft. Lexware wiederum ist als deutsches Programm mit einem juristisch ausgebildeten Entwicklerteam perfekt dafür geeignet, sich durch den deutschen Papierwald zu kämpfen.

Lexware stößt bei Expansionen schnell an seine Grenzen.

Hat man einen kleinen Betrieb, kann Lexware als günstiges Managementsystem ausreichen. Wächst dieser Betrieb auf etwa 20-25 Mitarbeiter, sodass mehr als fünf davon Lexware nutzen, stößt die Software an ihre Grenzen und sollte durch eine ERP-Software ergänzt werden. Da ERPNext integrativ und offen arbeitet, ist der Austausch mit Programmen wie Lexware oder DATEV problemlos möglich. 

Genau diesen Weg ist auch die K&K-Software gegangen. Ursprünglich haben wir nur auf Lexware gesetzt, und waren damit auch sehr zufrieden. Als die Firma aber wuchs, musste ein dezidiertes ERP-System her. Nach einigem Hin und Her haben wir uns für ERPNext entschieden, dass wir heute produktiv neben Lexware nutzen.

Unser Fazit: verwandt, aber nicht das gleiche. Lexware kann ein ERP-System produktiv um ein kompetent aufgebautes Buchhaltungssystem ergänzen, ist aber kein Ersatz für ein modulares, flexibles, und offenes System. Im Team sind beide Programme aber unschlagbar und eine echte Bereicherung für jedes Unternehmen.

Autor Laura Köpl

Über den Autor

Laura Köpl ist unsere Projektleiterin ERPNext und unterstützt in Kundenprojekten als ERP-Prozess-Consultant. Außerdem verantwortet Sie den Vertrieb der K&K Software AG.
Privat hat sie - wenn sie nicht gerade auf dem Motorrad sitzt - als Vorsitzende des Hackerspace GEOLab e.V. eine Begeisterung für den kreativen Umgang mit Technik und freut sich auf den nächsten Chaos Communication Congress.

Laura Köpl ist Ihre Ansprechpartnerin für ERPNext-Projekte und Sie erreichen Sie unter 09382-3102-241 oder koepl@kk-software.de um die Details Ihres ERPNext-Projektes zu besprechen.

15. Juli 2022

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